Featured image of post Tor Relay – Ein kleiner Teil des freien Internets

Tor Relay – Ein kleiner Teil des freien Internets

Was ist ein Tor Relay, warum betreibe ich eines und welche Bedeutung hat das Tor-Netzwerk für Privatsphäre, Informationsfreiheit und Menschen in zensierten Netzen?

Was macht eigentlich ein Tor Relay auf ChristiansBlog?

Wer gerade auf der linken Seite dieser Webseite unterwegs ist, findet dort seit kurzem einen kleinen, etwas ungewöhnlichen Eintrag:

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

Nein, das ist kein schlecht versteckter VPN-Werbelink und auch kein Versuch, irgendjemanden auf dunkle Pfade des Internets zu schicken. 😄

Ich betreibe selbst ein Tor Relay.

Und weil ich Transparenz bei technischen Dingen ziemlich wichtig finde, darf man auf dieser Webseite auch sehen, ob es gerade läuft.

Was ist Tor überhaupt?

Tor steht für The Onion Router und ist ein Netzwerk, das Verbindungen so über mehrere Stationen leitet, dass nicht eine einzelne Stelle gleichzeitig weiß, wer eine Verbindung aufgebaut hat und wohin sie letztlich geht.

Das Prinzip lässt sich vereinfacht so darstellen:

 1
 2
 3
 4
 5
 6
 7
 8
 9
10
11
12
13
Dein Rechner
 Guard Relay
 Middle Relay
 Exit Relay
 Ziel im Internet

Dabei übernimmt jede Station nur einen Teil der Aufgabe. Ein Tor-Kreislauf besteht typischerweise aus mehreren Relays; Guard und Middle sind dabei keine Exit-Relays.

Das ist einer der entscheidenden Unterschiede zu einem klassischen VPN:

Beim VPN läuft der Verkehr grundsätzlich über einen Anbieter, dem man vertrauen muss. Bei Tor wird die Verbindung dagegen über ein verteiltes Netzwerk verschiedener Relays geleitet.

Tor ist deshalb aber kein magischer Unsichtbarkeitsknopf. Auch Tor kann nicht verhindern, dass man sich beispielsweise selbst über persönliche Zugangsdaten identifiziert oder andere Fehler macht.


Und was ist nun ein Tor Relay?

Ein Relay ist ein Rechner, der einen Teil der Tor-Infrastruktur bereitstellt.

Tor funktioniert schließlich nicht dadurch, dass irgendwo ein großer Server steht, auf dem „das Tor-Internet“ läuft.

Das Netzwerk besteht aus tausenden von Relays, die von unterschiedlichen Betreibern bereitgestellt werden. Tor Metrics beschreibt das Netzwerk entsprechend als eines mit tausenden freiwillig betriebenen Relays und Millionen von Nutzern.

Ein Relay nimmt verschlüsselten Tor-Verkehr entgegen und leitet ihn innerhalb des Tor-Netzes weiter.

Dabei gibt es unterschiedliche Rollen.

Guard Relay

Das Guard Relay ist normalerweise der erste Knoten eines Tor-Kreislaufs.

Middle Relay

Das Middle Relay bildet eine weitere Station innerhalb des Kreislaufs.

Exit Relay

Das Exit Relay ist die Station, über die eine Verbindung das Tor-Netz verlässt und das normale Internet erreicht.

Mein Relay ist kein Exit Relay.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ich stelle also nicht einfach einen Server zur Verfügung, dessen IP-Adresse anschließend als Ausgangspunkt beliebiger Tor-Verbindungen im Internet auftaucht.


Warum betreibe ich überhaupt ein Relay?

Die kurze Antwort lautet:

Weil ein dezentrales Netzwerk Menschen braucht, die Infrastruktur bereitstellen.

Das ist eigentlich gar nicht so anders als bei vielen anderen Dingen, die wir im Internet selbstverständlich benutzen.

Wer einen eigenen Mailserver betreibt, einen DNS-Server bereitstellt, einen Linux-Mirror hostet oder einen Tor-Knoten betreibt, stellt Infrastruktur für andere zur Verfügung.

Bei Tor kommt allerdings noch etwas Entscheidendes hinzu:

Für manche Menschen ist ein freies Internet keine Selbstverständlichkeit

Während wir hier in Deutschland normalerweise davon ausgehen können, nahezu jede Webseite und jeden Internetdienst erreichen zu können, sieht die Situation in anderen Ländern teilweise völlig anders aus.

In Staaten mit umfassender Internetzensur können Regierungen oder Internetprovider den Zugang zu bestimmten Webseiten, Diensten oder sogar zum Tor-Netzwerk gezielt blockieren.

Das betrifft beispielsweise Menschen in Ländern wie China oder Iran, aber auch andere Regionen, in denen Internetzugänge überwacht, gefiltert oder eingeschränkt werden.

Tor ist deshalb nicht nur ein Werkzeug für Menschen, die ihre Privatsphäre schützen möchten.

Für Menschen in zensierten Netzen kann Tor ein Werkzeug sein, um überhaupt Zugang zu Informationen zu bekommen, die ihnen sonst vorenthalten werden.

Das Tor Project weist ausdrücklich darauf hin, dass direkte Verbindungen zum Tor-Netzwerk in manchen Ländern durch Internetprovider oder staatliche Stellen blockiert werden. Genau für solche Situationen gibt es zusätzliche Techniken zur Zensurumgehung.


Und hier kommen die Bridges ins Spiel

Ein normales Tor Relay ist öffentlich bekannt. Seine Existenz und bestimmte technische Informationen können über Tor Metrics abgerufen werden.

Das ist für die Funktion des normalen Tor-Netzwerks notwendig.

Für einen Zensor bedeutet das allerdings auch:

Wenn ich weiß, welche IP-Adressen zu Tor gehören, kann ich versuchen, diese IP-Adressen zu blockieren.

Genau deshalb gibt es Tor Bridges.

Eine Bridge ist im Grunde ebenfalls ein Tor Relay, wird aber nicht im öffentlichen Tor-Verzeichnis aufgeführt. Dadurch ist es für Internetprovider oder staatliche Stellen wesentlich schwieriger, sämtliche Bridges einfach zu identifizieren und zu blockieren.

Vereinfacht sieht das so aus:

 1
 2
 3
 4
 5
 6
 7
 8
 9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
                    normales Tor
                 öffentlich bekannt
                    Guard Relay
                    Tor-Netzwerk


       zensiertes Netzwerk
          Tor Bridge
        (nicht öffentlich)
          Tor-Netzwerk

Damit kann jemand, dessen Internetzugang Tor direkt blockiert, trotzdem einen Weg in das Tor-Netzwerk finden.


Tor versucht dabei, die Zensur nicht einfach nur „auszusitzen“

Die Bridges sind dabei nur ein Teil des Systems.

Tor verwendet sogenannte Pluggable Transports, um die Verbindung für einen Zensor schwerer erkennbar zu machen.

Dazu gehören unter anderem:

  • obfs4
  • WebTunnel
  • Snowflake
  • meek

Diese Techniken verfolgen unterschiedliche Ansätze.

obfs4 lässt den Tor-Verkehr beispielsweise wie zufällige Daten aussehen und erschwert es Zensoren, Bridges durch automatisches Scannen zu finden.

WebTunnel versucht, eine Tor-Verbindung wie normalen HTTPS-Webverkehr aussehen zu lassen.

Snowflake verwendet freiwillig bereitgestellte Proxies, sodass die Verbindung nach außen beispielsweise eher wie eine gewöhnliche Echtzeitkommunikation aussieht.

meek nutzt wiederum einen anderen Ansatz und lässt den Datenverkehr so erscheinen, als würde der Nutzer eine große Webseite beziehungsweise einen CDN-Dienst aufrufen.

Das ist ein ziemlich beeindruckendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Zensur und deren Umgehung.


Warum das wichtig ist

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem bestimmte Nachrichtenportale blockiert werden.

Oder soziale Netzwerke sind nur eingeschränkt erreichbar.

Oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen werden gesperrt.

Oder die Regierung entscheidet während einer politischen Krise, den Zugang zu großen Teilen des Internets einzuschränken.

Dann ist die Frage nicht mehr:

„Möchte ich meine Privatsphäre verbessern?“

Sondern möglicherweise:

„Kann ich überhaupt noch auf unabhängige Informationen zugreifen?“

Genau hier bekommt ein dezentrales Netzwerk wie Tor eine Bedeutung, die weit über anonymes Surfen hinausgeht.

Es geht um Informationsfreiheit.

Um Meinungsfreiheit.

Um Zugang zu unabhängigen Informationen.

Und letztlich auch darum, dass nicht eine einzelne Regierung oder ein einzelner Internetprovider darüber entscheiden kann, welche Informationen ein Mensch sehen darf.

Das Tor Project beschreibt seine Mission entsprechend nicht nur mit Privatsphäre und Anonymität, sondern ausdrücklich auch mit dem Schutz vor Zensur und der Unterstützung der freien Verfügbarkeit entsprechender Technologien.


Und genau deshalb braucht Tor Menschen, die Infrastruktur bereitstellen

Das Netzwerk funktioniert nicht von selbst.

Relays müssen von Menschen und Organisationen betrieben werden.

Bridges müssen von Menschen bereitgestellt werden.

Und auch die verschiedenen Werkzeuge zur Zensurumgehung benötigen eine Infrastruktur, die von Freiwilligen und anderen Betreibern unterstützt wird.

Je mehr unabhängige Betreiber daran teilnehmen, desto schwieriger wird es, ein solches Netzwerk vollständig zu kontrollieren oder abzuschalten.

Das ist für mich der eigentliche Grund, warum ich ein Relay betreibe.

Nicht weil ich damit irgendjemandem etwas verkaufen möchte.

Nicht weil ich irgendeinen besonderen Status daraus ableiten möchte.

Sondern weil ich der Meinung bin:

Wenn wir ein freies und dezentrales Internet wollen, müssen wir auch bereit sein, einen kleinen Teil der dafür notwendigen Infrastruktur selbst bereitzustellen.

Mein Relay ist dabei nur ein sehr kleiner Baustein.

Aber genau aus vielen solchen kleinen Bausteinen entsteht ein Netzwerk, das nicht von einem einzelnen Unternehmen, einer einzelnen Regierung oder einem einzelnen Betreiber kontrolliert wird.

Und deshalb steht dort in meiner Sidebar:

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

Ein kleiner Punkt auf einer Webseite.

Aber dahinter steckt ein ziemlich großes Prinzip.

Ein freies Internet funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, ein Stück davon zu tragen.


Und warum steht der Status auf meiner Webseite?

Weil ich es interessant finde.

Und weil ich bei technischen Projekten lieber zeige, was tatsächlich passiert, statt einfach irgendwo „läuft“ hinzuschreiben. 😉

Der kleine Status in der Sidebar zeigt den aktuellen Zustand meines eigenen Relays.

Dabei wird nicht jedes Mal direkt aus dem Browser irgendein Tor-Dienst angesprochen.

Die Webseite verwendet eine lokale JSON-Datei:

/data/tor-relay.json

Ein serverseitiger Prozess fragt regelmäßig die offizielle Tor-Onionoo-API ab und aktualisiert diese Daten.

Onionoo ist genau dafür vorgesehen: Es stellt Informationen über laufende Tor-Relays und Bridges als JSON bereit, die anschließend von Anwendungen und Webseiten verwendet werden können.

Vereinfacht:

 1
 2
 3
 4
 5
 6
 7
 8
 9
10
11
12
13
14
15
16
17
Tor Relay
Tor Metrics / Onionoo
mein Update-Script
tor-relay.json
ChristiansBlog
🧅 Tor Relay
   🟢 Online

Der Browser muss also nicht direkt mit Onionoo kommunizieren.


Was kann man über mein Relay sehen?

Wer auf den kleinen Status klickt, landet bei Tor Metrics und kann sich die öffentlichen Informationen zu meinem Relay ansehen.

Dort werden unter anderem Informationen wie

  • Relay-Name
  • Fingerprint
  • Status
  • IP-Adressen
  • Land
  • Tor-Version
  • Relay-Flags
  • Zeitpunkt der ersten Sichtung
  • letzte Sichtung
  • Neustartzeitpunkt
  • Bandbreite
  • Consensus Weight

bereitgestellt.

Mein Relay ist dort unter seinem eindeutigen Fingerprint zu finden.

Relay Search:

https://metrics.torproject.org/rs.html#details/93EE8F121C175DD3B77E586F78E789E711491955


Was bedeutet „Online“ überhaupt?

Der grüne Punkt bedeutet nicht:

„Christian sitzt gerade daneben und schaut dem Tor-Server beim Arbeiten zu.“ 😄

Der Status stammt aus den Daten des Tor-Netzes.

Tor Metrics bzw. Onionoo verarbeitet die von den Directory Authorities veröffentlichten Netzwerkstatusdaten. Das Feld running gibt dabei an, ob das Relay im letzten Netzwerkstatus-Konsens als laufend geführt wurde.

Deshalb ist der Status auch nicht zwingend eine millisekundengenaue Live-Messung.

Er ist vielmehr die Antwort auf die Frage:

„Wird dieses Relay aktuell im Tor-Netz als laufend geführt?“


Und was hat das mit diesem Blog zu tun?

Eigentlich eine ganze Menge.

Dieser Blog beschäftigt sich seit Jahren mit Technik, Linux, Datenschutz, digitaler Selbstbestimmung und den Dingen, die im Internet hinter den Kulissen passieren.

Da passt ein eigenes Tor Relay ziemlich gut dazu.

Ich finde es nämlich sinnvoller, über dezentrale Infrastruktur nicht nur zu reden, sondern selbst einen kleinen Teil davon bereitzustellen. Sei es als Matrix Server, für meine eigene Digitale Kommunikation, oder wie hier ein Tor-Relay.

Und genau deshalb steht da jetzt dieser kleine Punkt:

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

Nicht als Werbung.

Nicht als Statussymbol.

Sondern einfach als kleine öffentliche Information:

Diese Webseite wird von jemandem betrieben, der nicht nur über freie und dezentrale Infrastruktur schreibt, sondern auch ein kleines Stück davon selbst bereitstellt.


Wie kann ich Tor selbst nutzen?

Jetzt aber die vielleicht wichtigste Frage:

Wie benutzt man Tor eigentlich?

Die gute Nachricht: Dafür muss man weder einen eigenen Tor-Server betreiben noch sich mit Linux, Netzwerktechnik oder irgendwelchen komplizierten Konfigurationen beschäftigen.

Für die meisten Menschen ist der einfachste Einstieg der Tor Browser.

Der Tor Browser basiert auf Firefox und ist bereits so eingerichtet, dass der gesamte Browser-Verkehr über das Tor-Netzwerk geleitet wird.

Tor Browser installieren

Den Tor Browser sollte man ausschließlich von der offiziellen Webseite des Tor Project herunterladen:

https://www.torproject.org/download/

Dort gibt es Versionen für:

  • Windows
  • macOS
  • Linux
  • Android

Für iPhone und iPad gibt es aufgrund der technischen Vorgaben von Apple keinen offiziellen Tor Browser des Tor Project. Das Tor Project verweist dort auf andere Möglichkeiten beziehungsweise kompatible Anwendungen.

Nach der Installation startet man den Tor Browser und verbindet sich mit dem Tor-Netzwerk.

Danach läuft der Datenverkehr des Tor Browsers über Tor.

Wichtig ist dabei ein kleines Detail:

Tor schützt grundsätzlich nur den Datenverkehr der Anwendungen, die tatsächlich über Tor laufen.

Wenn ich den Tor Browser benutze, bedeutet das also nicht automatisch, dass plötzlich alle anderen Programme auf meinem Rechner ebenfalls über Tor kommunizieren.

Mein normales Firefox-Fenster, Steam, Thunderbird oder irgendeine andere Anwendung wird dadurch nicht automatisch zu einer Tor-Verbindung.


Und wie funktioniert das dann beim Surfen?

Wenn ich beispielsweise eine Webseite mit dem Tor Browser aufrufe, wird die Verbindung nicht einfach direkt aufgebaut:

1
2
3
4
Mein Rechner
Webseite

Stattdessen wird sie über mehrere Stationen des Tor-Netzwerks geleitet:

 1
 2
 3
 4
 5
 6
 7
 8
 9
10
11
12
13
Mein Rechner
Guard Relay
Middle Relay
Exit Relay
Webseite

Die einzelnen Stationen kennen dabei jeweils nur den für ihre Aufgabe notwendigen Teil der Verbindung.

Das Ziel ist, dass nicht ein einzelner Relay-Betreiber gleichzeitig weiß:

„Dieser Mensch hat gerade diese Webseite aufgerufen.“


Tor ist aber kein Freifahrtschein

Und hier kommt ein Punkt, der mir besonders wichtig ist:

Tor macht niemanden automatisch anonym.

Wer sich beispielsweise mit seinem normalen Google-, Facebook- oder Amazon-Konto anmeldet, hat sich gegenüber diesem Dienst natürlich selbst identifiziert.

Auch persönliche Informationen, Browser-Verhalten oder andere Fehler können dazu führen, dass die eigene Identität bekannt wird.

Der Tor Browser versucht deshalb, möglichst viele Möglichkeiten zur Identifizierung und Nachverfolgung zu reduzieren.

Trotzdem gilt:

Tor ist ein Werkzeug für Privatsphäre und Zensurumgehung – keine Garantie für absolute Anonymität.


Was ist mit Ländern, in denen Tor blockiert wird?

Hier wird es wieder interessant.

In Ländern mit starker Internetzensur kann eine direkte Verbindung zum Tor-Netzwerk blockiert werden.

Dann reicht es unter Umständen nicht aus, einfach den Tor Browser zu installieren und auf „Verbinden“ zu klicken.

Der Tor Browser bietet deshalb Möglichkeiten zur Zensurumgehung.

Dazu gehören unter anderem Bridges und verschiedene sogenannte Pluggable Transports.

Bridges sind nicht öffentlich gelistete Tor-Relays. Dadurch können sie nicht so einfach anhand der öffentlichen Tor-Relay-Liste blockiert werden.

Pluggable Transports versuchen zusätzlich, den Tor-Verkehr so zu verändern oder zu verbergen, dass er für Zensursysteme schwerer als Tor-Verkehr zu erkennen ist.

Das kann für Menschen, die in einem zensierten Netz leben, einen entscheidenden Unterschied machen.


Muss ich Tor Browser benutzen?

Nein.

Tor kann grundsätzlich auch von anderen Anwendungen verwendet werden.

Für normale Nutzer ist der Tor Browser allerdings der einfachste und sicherste Einstieg, weil bereits viele wichtige Einstellungen für die Verwendung von Tor vorbereitet sind.

Wer weitergehende Anforderungen hat, kann Tor auch selbst über einen lokalen SOCKS-Proxy oder andere geeignete Anwendungen nutzen.

Das ist dann allerdings schon eher etwas für technisch versierte Nutzer.

Für den Anfang gilt deshalb:

Tor Browser herunterladen, installieren, starten – fertig.


Und wenn ich Tor nicht nur nutzen, sondern unterstützen möchte?

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Tor Relay betreiben

So wie ich es mache.

Dabei stellt man einen Server als Teil der Tor-Infrastruktur zur Verfügung und leitet Tor-Verkehr für andere Nutzer weiter.

Eine Bridge betreiben

Bridges sind besonders interessant, wenn man Menschen in zensierten Netzen helfen möchte, Zugang zum Tor-Netzwerk zu bekommen.

Snowflake unterstützen

Auch ohne eigenen Server kann man das Tor-Projekt unterstützen.

Bei Snowflake können normale Nutzer einen Teil ihrer Internetverbindung als Proxy für Menschen in zensierten Netzen zur Verfügung stellen.

Dabei muss man nicht selbst wissen, wer den Proxy verwendet oder welche Webseiten über ihn aufgerufen werden.

Mehr Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es direkt beim Tor Project:

https://community.torproject.org/relay/


Und damit sind wir wieder bei dem kleinen grünen Punkt

Wenn du also beim nächsten Besuch dieser Webseite links in der Sidebar

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

siehst, weißt du jetzt, was dahintersteckt.

Es ist kein VPN-Angebot.

Kein kommerzieller Dienst.

Und auch kein Versuch, irgendwelche geheimen Ecken des Internets zu bewerben.

Es ist schlicht ein kleiner Rechner, der einen Teil seiner Ressourcen dafür zur Verfügung stellt, dass ein dezentrales Netzwerk funktioniert.

Und genau wie bei Open-Source-Software gilt auch hier:

Viele kleine Beiträge können gemeinsam etwas ziemlich Großes ergeben.


Quellen