Hannover steht in den kommenden Tagen ganz im Zeichen des Straßengüterverkehrs. Vom 15. bis 20. September findet die IAA TRANSPORTATION 2026 statt. Neben zahlreichen Weltpremieren und technischen Neuheiten will die Messe in diesem Jahr besonders die Menschen in den Mittelpunkt stellen, die täglich mit den Fahrzeugen unterwegs sind.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem 19. und 20. September, wenn die IAA zum Fahrer- und Familienwochenende einlädt. Gleichzeitig gibt es bei den sogenannten IAA Experience Test Drives so viele Möglichkeiten wie noch nie, aktuelle Nutzfahrzeuge selbst zu testen.
Wer sich für die IAA akkreditieren kann, bekommt im Vorfeld einiges an elektronischer Post. Auch bei mir sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Informationen, Ankündigungen und Pressemitteilungen zur IAA TRANSPORTATION 2026 eingegangen. Jetzt wird es allerdings Zeit, sich selbst ein Bild zu machen.
Ich bin heute in Hannover vor Ort und habe mir für meinen ersten Messetag ein paar persönliche Ziele gesetzt. Natürlich werde ich auch bei vielen anderen Herstellern und Ausstellern vorbeischauen, aber einige Termine stehen für mich ganz oben auf der Liste.
Einer der ersten Wege führt mich zu BYD in Halle 21, Stand B11. Das hat für mich gleich mehrere Gründe. Nachdem ich meinen Ford Kuga inzwischen gegen einen BYD Seal U DM-i eingetauscht habe, ist die Marke für mich natürlich auch persönlich interessant geworden. Noch spannender finde ich allerdings die Nutzfahrzeugsparte von BYD. Ich möchte mir deshalb einmal genauer anschauen, welche Fahrzeuge BYD im Nutzfahrzeugbereich präsentiert und wie der Hersteller diesen Markt in Europa angehen will. Dazu wird das dann heute der erste Langstreckentest mit meinem neuen PKW.

Auch Scania in Halle 12, Stand C60/D71, steht ganz oben auf meiner Liste. Ich fahre selbst seit inzwischen sieben Jahren Scania – entsprechend groß ist mein Interesse an dem, was der Hersteller aktuell und für die Zukunft zu bieten hat. Besonders gespannt bin ich auf die elektrischen Fahrzeuge und die weitere Entwicklung der E-Sparte. Gleichzeitig möchte ich mir die neuen Motorenkonzepte genauer ansehen. Gerade ein möglicher Fünfzylinder für die 14-Tonnen-Klasse könnte interessant werden, wenn es darum geht, auch kleinere und mittelschwere Fahrzeuge effizienter zu machen.
Bei SuperPanther in Halle 12, Stand D46, geht es für mich ebenfalls um Elektromobilität. Die Marke ist besonders interessant, weil die E-Lkw für den europäischen Markt im ehemaligen Steyr-Werk in Österreich gefertigt werden. Ich möchte mir vor allem das Topmodell des Herstellers genauer anschauen und herausfinden, was hinter dem Konzept steckt und wie ernsthaft SuperPanther den europäischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge angeht.
Und dann gibt es noch zwei Hersteller, bei denen mein beruflicher Alltag eine ziemlich klare Richtung vorgibt: LOGLIFT und PALFINGER.
Als Holzfahrer interessiert mich natürlich alles, was mit Ladekranen und der Arbeit rund um den Holztransport zu tun hat. Bei LOGLIFT möchte ich mir deshalb die neuesten Entwicklungen und Innovationen bei den Holzladekranen anschauen. Auch bei PALFINGER, dem österreichischen Hersteller für Kran- und Hebetechnik, steht für mich die aktuelle Entwicklung in diesem Bereich im Mittelpunkt.
Mich interessiert dabei nicht nur, welche neuen Funktionen und technischen Lösungen auf den Messeständen präsentiert werden. Viel spannender ist für mich die Frage: Was davon bringt uns Fahrern tatsächlich etwas? Was macht die tägliche Arbeit einfacher, sicherer oder effizienter – und was sieht auf dem Messestand vielleicht beeindruckender aus, als es sich später im Arbeitsalltag darstellt?
Natürlich stehen auch die vielen anderen Hersteller und Aussteller auf meinem Programm. Das sind aber meine persönlichen Hauptziele für den heutigen Messetag.
Am Samstag geht es dann noch einmal zur IAA – diesmal passend zum Fahrer- und Familienwochenende. Auch dann werde ich Augen und Ohren offenhalten.
Denn genau darum soll es bei meiner Berichterstattung von der IAA gehen: Nicht einfach nur die Pressemitteilungen der Hersteller wiederzugeben, sondern mir die Fahrzeuge und Technik selbst anzuschauen, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen und das Ganze einmal aus der Sicht eines Berufskraftfahrers zu betrachten.
Was mir dabei auffällt, welche Neuheiten mich überzeugen und wo ich vielleicht auch etwas kritischer hinschaue, erfahrt ihr natürlich hier im Blog.
84 Fahrzeuge stehen für Probefahrten bereit
Wer Nutzfahrzeuge nicht nur auf dem Messestand anschauen, sondern selbst erleben möchte, bekommt in diesem Jahr eine besonders große Auswahl. Insgesamt 84 Fahrzeuge von 17 Ausstellern stehen für Testfahrten zur Verfügung. Damit wurde das Angebot gegenüber der IAA 2024 um rund 40 Prozent erweitert.
Das Interesse der Hersteller ist offenbar enorm: Die vorhandenen Kapazitäten für die Test Drives sind bereits vollständig ausgebucht. Zu den teilnehmenden Herstellern gehören unter anderem DAF, Daimler Truck, Ford, MAN, Renault Trucks, Scania, Tesla, Volkswagen und Volvo Trucks.
Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Diesel-Lkw. Der Schwerpunkt liegt auf den Antrieben und Technologien, die den Straßengüterverkehr in den kommenden Jahren verändern sollen. Ein Großteil der Testfahrzeuge ist elektrisch unterwegs, zusätzlich können Besucher Wasserstofffahrzeuge und moderne, emissionsärmere Dieselfahrzeuge ausprobieren.
Interessant ist auch der Blick auf die unterschiedlichen Konzepte. So können beispielsweise der Volvo FH Aero Electric mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern sowie der FH Aero mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor getestet werden. Auch Fahrzeuge wie der elektrische DAF XG Electric gehören zum Testangebot.
Automatisiertes Fahren wird ebenfalls erlebbar
Neben den klassischen Probefahrten rückt auch das automatisierte und autonome Fahren stärker in den Mittelpunkt. Fünf Aussteller zeigen insgesamt sechs Fahrzeuge im Rahmen von ADAS- und Telematik-Demonstrationen.
Besucher können dabei als Beifahrer erleben, wie weit die Entwicklung moderner Assistenz- und Automatisierungssysteme inzwischen fortgeschritten ist. Zum ersten Mal werden dabei auch sogenannte Robo Vans ohne Fahrerkabine präsentiert.
Damit wird die IAA nicht nur zur Ausstellung neuer Fahrzeuge, sondern zunehmend zu einem Ort, an dem sich tatsächlich ausprobieren lässt, wohin sich der Nutzfahrzeugbereich entwickelt.
Fahrer und ihre Familien im Mittelpunkt
Am Wochenende vom 19. und 20. September soll es dann weniger um technische Daten und mehr um die Menschen hinter dem Transport gehen.
Das Fahrer- und Familienwochenende richtet sich ausdrücklich an Berufskraftfahrer, Truckfans und Familien. Auf dem Programm stehen unter anderem Live-Musik, eine große Hüpfburg, Kartbahn, Riesenkicker und ein Gabelstapler-Parcours, bei dem Kinder sogar einen eigenen Gabelstaplerführerschein machen können. Beim Wettbewerb „Kids vs. Trucker“ treten Kinder gegen Berufskraftfahrer an.
Für Truckfans dürfte außerdem die IAA-Erlebnisarea interessant sein. Dort werden vier Racing-Trucks gezeigt. Dazu kommt ein Konvoi aus rund 30 funktionsfähigen Minitrucks, der gemeinsam mit einer Drum-Marschkapelle über das Messegelände fährt.
Auch die Fahrer selbst bekommen einen eigenen Bereich. In der Fahrer-Area wollen der VDA gemeinsam mit BGL, der Initiative PROFI und DocStop Raum für Information, Austausch und Anerkennung des Fahrerberufs schaffen.
Mehr als nur eine Technikshow
Interessant ist dabei die Kombination aus beiden Bereichen. Die IAA zeigt auf der einen Seite, wie schnell sich die Nutzfahrzeugtechnik verändert – von batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen bis hin zu automatisierten Fahrsystemen.
Auf der anderen Seite rückt sie mit dem Fahrer- und Familienwochenende diejenigen in den Mittelpunkt, die diese Fahrzeuge letztlich bedienen und täglich dafür sorgen, dass Waren auf der Straße unterwegs sind.
Ob die neuen Technologien allerdings tatsächlich alltagstauglich sind, entscheidet sich am Ende nicht allein auf dem Messegelände. Themen wie Lade- und Wasserstoffinfrastruktur, ausreichende Stromnetze, geeignete Rast- und Parkmöglichkeiten und natürlich die Arbeitsbedingungen der Fahrer bleiben entscheidende Faktoren.
Genau deshalb dürfte die IAA TRANSPORTATION 2026 auch für Berufskraftfahrer interessant sein: Man kann sich nicht nur anschauen, was die Hersteller für die Zukunft versprechen, sondern einige der Fahrzeuge und Technologien tatsächlich selbst erleben.
Und am Wochenende kommt mit Familie, Truckshow und Fahrer-Area auch der menschliche Teil des Transportgeschäfts nicht zu kurz.

