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Euro NCAP: Wenn der Unterfahrschutz zum Schwachpunkt wird

Euro NCAP hat die Schutzwirkung von Unterfahrschutzsystemen an Lkw-Anhängern untersucht. Die Crashtests zeigen deutliche Unterschiede zwischen gesetzlichen Mindestanforderungen und tatsächlicher Sicherheit.

Wer auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, sieht sie täglich: die quer verlaufende Stahlkonstruktion am Heck von Anhängern und Aufliegern. Die meisten nehmen sie kaum wahr. Dabei erfüllt sie eine lebenswichtige Aufgabe. Der sogenannte Unterfahrschutz soll verhindern, dass ein Pkw bei einem Auffahrunfall unter den Anhänger gerät.

Genau dieses Bauteil hat Euro NCAP nun genauer unter die Lupe genommen – mit einem Ergebnis, das Fragen aufwirft.

Was wurde getestet?

Euro NCAP untersuchte, wie sich unterschiedliche Unterfahrschutzsysteme bei einem Auffahrunfall verhalten. Dabei fuhr ein Pkw kontrolliert auf das Heck eines Anhängers auf. Entscheidend war nicht, ob das Auto beschädigt wird – das ist bei einem solchen Unfall unvermeidlich – sondern ob der Unterfahrschutz verhindert, dass das Fahrzeug unter den Anhänger rutscht.

Die Bilder aus dem Test zeigen deutliche Unterschiede.

Während ein stabiler Unterfahrschutz die Front des Pkw in einem Bereich hält, in dem die Knautschzonen ihre Schutzwirkung entfalten können, knickt ein schwächer ausgeführtes System ein. Das Fahrzeug taucht weiter unter den Anhänger ein und die Belastungen verlagern sich in Bereiche, die für die Insassen deutlich gefährlicher werden können.

Warum ist das so wichtig?

Moderne Pkw verfügen über hochentwickelte Sicherheitssysteme. Airbags, Gurtstraffer und komplexe Knautschzonen können enorme Kräfte aufnehmen.

Diese Technik funktioniert jedoch nur, wenn die Aufprallenergie dort aufgenommen wird, wo die Konstrukteure sie vorgesehen haben.

Gerät ein Pkw unter einen Anhänger, wird die Frontstruktur teilweise umgangen. Die Belastungen wirken dann direkt auf die Fahrgastzelle. Die Folgen können deutlich schwerwiegender sein als bei einem normalen Frontalaufprall.

Der Unterfahrschutz ist deshalb nicht einfach ein Stück Stahl am Heck des Anhängers, sondern ein wichtiges passives Sicherheitssystem.

Erfüllt die Technik die Vorschriften?

Genau hier liegt der interessante Punkt.

Die getesteten Fahrzeuge erfüllen grundsätzlich die geltenden Zulassungsvorschriften. Dennoch zeigen die Versuche, dass es erhebliche Unterschiede bei der tatsächlichen Schutzwirkung gibt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die gesetzlichen Anforderungen falsch sind. Es zeigt aber, dass zwischen dem gesetzlichen Mindeststandard und dem technisch Machbaren offenbar eine Lücke besteht.

Euro NCAP fordert deshalb strengere Anforderungen an Konstruktion und Belastbarkeit von Unterfahrschutzsystemen.

Was der Test nicht aussagt

Bei aller berechtigten Diskussion sollte man einen wichtigen Punkt nicht vergessen:

Der Test sagt nichts über die Ursache des Unfalls aus.

Ein Auffahrunfall entsteht in der Regel durch Faktoren wie:

  • zu geringen Sicherheitsabstand,
  • Ablenkung,
  • unangepasste Geschwindigkeit,
  • schlechte Sichtverhältnisse,
  • Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit.

Auch der stabilste Unterfahrschutz kann einen solchen Unfall nicht verhindern. Er kann lediglich dazu beitragen, die Folgen für die Insassen des auffahrenden Fahrzeugs zu reduzieren.

Ein Thema, das auch die Branche betrifft

Für Berufskraftfahrer ist die Diskussion durchaus interessant. Häufig stehen bei Verkehrssicherheitsdebatten Fahrzeiten, Geschwindigkeiten oder Assistenzsysteme im Mittelpunkt. Der Euro-NCAP-Test zeigt jedoch, dass auch vergleichsweise unscheinbare Bauteile erhebliche Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit haben können.

Der Unterfahrschutz ist keine Nebensache. Im Ernstfall entscheidet seine Stabilität darüber, ob die Sicherheitsstruktur eines Pkw ihre Aufgabe erfüllen kann oder nicht.

Fazit

Die Ergebnisse von Euro NCAP zeigen nicht, dass Lkw-Anhänger grundsätzlich unsicher sind. Sie zeigen vielmehr, dass die Schutzwirkung von Unterfahrschutzsystemen unterschiedlich ausfallen kann – selbst dann, wenn die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob ein Unterfahrschutz vorhanden ist, sondern wie gut er im Ernstfall funktioniert.

Denn wenn es auf der Autobahn kracht, können wenige Zentimeter darüber entscheiden, ob moderne Fahrzeugsicherheit ihre Wirkung entfaltet – oder ob sie gar nicht erst die Chance dazu bekommt.

Hier geht es zum Euro-NCAP-Test: https://www.euroncap.com/press-media/euro-ncap-reveals-fatal-flaws-in-trailer-underrun-safety-that-cost-400-lives-every-year/