In einem seiner Beiträge auf Facebook hat Udo Skopeck ein polarisierendes Thema angesprochen. Zumindest für uns BKF. Beitrag ist hier entsprechend verlinkt, sollte auch ohne Konto bei FB lesbar sein. (Udo, es wird Zeit für deinen eigenen Blog!).
Wie man unter den Kommentaren lesen kann, sind da viele sog. Stammtischparolen vorhanden. U. a. auch, dass man ja als Fahrer nicht entladen muss.
Das dem nicht so ist, habe ich ja schon in meinem Beitrag über das Be- und Entladeverbot erklärt.
Es gibt auch den einen oder anderen Kommentar, dass es ja in Spanien und Portugal ein gesetzliches Verbot für Lkw-Fahrer gibt, die Karre zu be- und entladen, und die Frage, warum man das in Deutschland oder gar europaweit hinbekommt.
Die Antwort auf die Frage ist eigentlich recht simpel und wurde bei jedem Thema, das unseren Job verbessern kann, immer wieder genannt: Der Fahrer selbst ist schuld.
Doch äh … Stopp Be- und Entladeverbot in Spanien und Portugal?
Ja, richtig. In Spanien und Portugal haben es die Gewerkschaften geschafft, für die Fahrer ein Be- und Entladeverbot gesetzlich zu verankern. Wohl gemerkt: die Gewerkschaften. Also das, wo der deutsche Fahrer eine Allergie gegen hat.
Doch das Verbot gilt nicht grundsätzlich, denn es kommt darauf an, was man transportiert.
Unter das Verbot fallen nicht:
Genaue Details sind länderspezifisch, aber sehr ähnlich. Fakt ist jedoch: Bei Waren, bei denen es nicht erforderlich ist, dass der Fahrer entlädt, hat der Empfänger zu entladen. Und diese Regelung greift auch nur innerhalb von Spanien und Portugal. Nur dass keine Gerüchte aufkommen.
Nun, die Frage ist leicht beantwortet: Weil der Fahrer nicht will. Genauer gesagt: Er will schon, er will nur nichts dafür tun, dass das Gesetz kommt. Denn dafür müsste er seine Komfortzone verlassen und selbst aktiv werden.
Ich habe es schon in so vielen Beiträgen und Kommentaren geschrieben, warum die Fahrer aus dem benachbarten Ausland es hinbekommen.
Sei es Österreich, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Luxemburg, die Niederlande oder die skandinavischen Länder. Sie alle haben eine Sache gemeinsam: Die Fahrer sind dort organisiert. In entsprechenden Gewerkschaften. Und mit diesem Organisationsgrad kam etwas, was hier in Deutschland fehlt: ein Kollektivvertrag. Oder für Deutschland passend: ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag.
Doch dafür wäre es erforderlich, dass man sich zunächst einmal in einer Gewerkschaft organisiert. Und nein, auch die Ausrede, es gäbe doch keine Fahrergewerkschaft, kann ich so nicht stehen lassen, denn der Versuch, eine zu gründen, oder eine zu etablieren, ist fehlgeschlagen.
Was nicht zuletzt an der geringen Bereitschaft des Vorstandes lag, hier mal die Werbetrommel zu rühren.
Es wird auch kein Messias kommen, der aus Wasser Bier macht und das Brot unter den Armen verteilt.
Man muss da schon selbst aktiv werden, sich mit anderen Fahrern zusammentun und das fordern, was man verändert haben will. Denn nur so bekommt man auch das, was man will. Und vielleicht dann auch das Be- und Entladeverbot wie in Spanien und Portugal.
Den kann man eigentlich nicht genug erklären, obwohl mit ein bisschen Vorstellungskraft kommt man drauf, was der zu sagen hat.
Der §412 HGB regelt bekanntlich, welche Aufgaben der Versender einer Ware zu machen hat. Und wie ich es auch schon im Beitrag über das Be- und Entladen geschrieben habe, steht nicht drin, wie er das zu machen hat. Also auch nicht, dass der Versender dies nicht als Bedingung für einen Transportauftrag machen kann.
Natürlich werden auch in Deutschland Güter transportiert, da kann der Fahrer nicht selbst entladen. Stahl Coil bspw. oder alles wo ein Stapler erforderlich ist.
Abrer mal eben ein “paar” Paletten mit einer E-Ameise auf den LKW und beim Empfänger wieder runter, das gehört zu unserem Job.
Klar, es gibt auch Grenzen. Und zwar da, wo ich als Fahrer die Folie zu entfernen habe, irgendwelche Etiketten auf die Ware kleben und die dann ins Hochregallager einlagern muss. Das zählt nicht mehr zu meinen Aufgaben, dass ist nur Personaleinsparung beim Empfänger.
Das muss nicht sein. Und hier zählt: Wenn Ihr es mitmacht… Selbst Schuld.
Auch das kann man anders regeln. Ist aber nicht gewollt. Und zwar vom Fahrer. Denn der sitzt ja lieber mit dem Smartphone auf dem Sofa, brüstet sich damit, wie toll er doch seine Konditionen selbst verhandeln kann. Aber auch genau der gleiche Fahrer jammert Sonntags rum, wie scheiße der Job ist und das die “Regierung” ja nichts dagegen macht, obwohl sie es müsste.
Falsch. Denn DU bist derjenige welche, der da was unternehmen muss. Nicht die anderen. DU. Mit anderen Fahrern zusammen. Dann erreicht man auch was.